Winterreifenpflicht – die wichtigsten Informationen

Autofahrer sehen sich jeden Winter vor die gleiche Frage gestellt: Winterreifen aufziehen lassen oder Kosten sparen und hoffen, dass es wieder nicht schneit? In Deutschland gilt jedoch die Winterreifenpflicht, welche die Verwendung passender Reifen bei Winterwetter zwingend vorschreibt. Doch wann gilt sie, was sind „passende“ Reifen und wer haftet im Schadenfall?

Winterreifen sind in Deutschland Pflicht

Die seit 2010 in Deutschland geltende Winterreifenpflicht ist „situativ“, das heißt: Nicht der Zeitpunkt, sondern die Fahrbahnbeschaffenheit entscheidet, ob Winterreifen vorgeschrieben sind oder nicht.

Grundsätzlich gilt: Bei winterlichen Wetterbedingungen dürfen Kraftfahrzeuge ausschließlich mit Winterreifen gefahren werden.

Die gesetzliche Basis für diese Winterreifenpflicht ist die Straßenverkehrsordnung, genauer §2 Abs 3a StVO: Diese schreibt für „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte“ Reifen vor, die bestimmte Eigenschaften aufweisen. Diese wiederum sind in der Straßenverkehrsordnung definiert, genauer im §36 Absatz 4 StVZO.

Auto beim Winterreifentest

Winterreifentests

Reifenkonfigurator

Reifenkonfigurator

Welche Reifen sind erlaubt?

Continental Winterreifen

Die StVZO nennt drei Eigenschaften, mit denen Reifen bei Glatteis, Schnee oder Schneematsch gesetzeskonform sind:

  • Ein Laufflächenprofil, eine Laufflächenmischung oder Bauart, die beim Anfahren, Bremsen und während der Fahrt im Vergleich zu normalen Reifen Vorteile zeigt.
  • Das Alpine-Symbol, ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch „Three Peak Mountain Snowflake“ genannt.
  • Die Prägung „M+S“, die für „Matsch und Schnee“ steht.

Da der erste Punkt sehr breit ausgelegt werden kann, sollten sich Autofahrer an Ihrer Reifenbeschriftung, also dem Alpine-Symbol oder der M+S-Prägung orientieren.

Bis Ende 2017 hergestellte Reifen mit „M+S“-Prägung sind jedoch nur noch bis einschließlich 30. September 2024 zugelassen.

Diese werden nämlich im Gegensatz zu Reifen mit Alpine-Symbol keiner unabhängigen Testprozedur unterzogen.

Welche Ausnahmen gelten?

§2 Abs. 3a StVO kennt einige Ausnahmen von der Winterreifenpflicht, darunter:

  • Motorräder
  • Land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge
  • Gabelstapler etc.

Eine Besonderheit stellen Lkw dar: Bei Kraftfahrzeugen der Klassen M2, M3, N2 und N3 müssen entsprechende Pneus laut Winterreifenpflicht nur an den Antriebsachsen und den vorderen Lenkachsen montiert werden.

Winterreifenpflicht: Was kostet der Verstoß und wer haftet bei Unfällen?

Bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung durch falsche Bereifung haftet immer der Fahrzeugführer, nicht der Halter des Pkws.

Diese Regelung wird beispielsweise bei der Nutzung von Miet- oder Firmenwagen wichtig.

Für Verstöße gegen die Winterreifenpflicht sieht der Bußgeldkatalog folgende Strafzahlungen vor:

  • Fahren ohne Winterreifen – 60 Euro Strafe
  • Fahren ohne Winterreifen mit Behinderung des Straßenverkehrs – 80 Euro Strafe
  • Fahren ohne Winterreifen mit Gefährdungssituation – 100 Euro Strafe
  • Fahren ohne Winterreifen mit Unfall – 120 Euro
  • In allen vier Fällen kommt außerdem ein Punkt in Flensburg hinzu.

Werden Winterreifen genutzt, die zu alt sind oder nicht mehr über die vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 mm, verfügen, haften sowohl Fahrzeughalter als auch -führer.

Erfahren Sie hier, wie Sie das Alter Ihrer Reifen herausfinden und wie Sie Ihre Profiltiefe richtig messen.

Gravierender als Bußgelder können aber tatsächliche Schäden sein:

Im Falle eines Unfalls auf glatter Straße kann die falsche Bereifung den Versicherungsschutz gefährden – sowohl für den Unfallverursacher als auch für das Unfallopfer. Denn dieses muss mithaften, sofern die eigene Bereifung, etwa durch einen längeren Bremsweg, zur Kollision beigetragen hat.

Frau mit Schneeflocken

Ganzjahresreifen als Alternative

Rechtlich nicht näher definiert sind die sogenannten Allwetter- oder Ganzjahresreifen. Diese Reifen bieten bei sommerlichen Temperaturen weniger Verschleiß und einen geringeren Rollwiderstand als Winterreifen, bleiben durch ihre spezielle Gummimischung und ihr auf Schnee ausgelegtes Reifenprofil jedoch auch bei winterlichen Wetterbedingungen sicher.

Solange ein solcher Reifen den Regelungen zur Winterreifenpflicht aus §36 Abs 4 StVZO entspricht, kann er ohne rechtliche Bedenken bei schneebedeckten Straßen gefahren werden. Allerdings handelt es sich bei Ganzjahresreifen immer um einen Mittelweg. Sommerreifen und Winterreifen sind dagegen stark auf die jeweiligen Wetterverhältnisse spezialisiert, bieten hier also tendenziell bessere Leistungen.

Die Winterreifenpflicht – in welchen Ländern gilt was?

Winterliche Straße

Neben Deutschland besitzen relativ wenige andere Länder im näheren Ausland verbindliche Regelungen zur Nutzung von Winterreifen mit weicherer Gummimischung.

Österreich

Österreich besitzt eine Winterreifenpflicht, die der deutschen relativ ähnlich ist: Bei winterlichen Wetterverhältnissen müssen Reifen mit M+S Prägung oder Alpine-Symbol genutzt werden. Im Gegensatz zu Deutschland gilt hier allerdings ein fester Zeitraum: Vom 1. November bis 15. April sind Autofahrer verpflichtet, bei entsprechendem Wetter und niedrigen Temperaturen Winterreifen aufzuziehen.

Tschechien

Die Regelungen für Tschechien sind wiederum denen in Österreich ähnlich, allerdings ist der verpflichtende Zeitraum kürzer: Hier sind Fahrer vom 1. November bis zum 31. März zur entsprechenden Bereifung verpflichtet.

Schweiz

Das neutrale Land in Kerneuropa kennt keine Winterreifenpflicht, fördert aber die Nutzung von Winterreifen durch andere Regelungen: Kommt es zu Unfällen oder Verkehrsbehinderungen aufgrund unzureichender Bereifung, können Bußgelder verhängt werden. Auch die Frage der Haftung verschiebt sich hier saisonal in Richtung des Fahrers ohne Winterreifen.

Italien

Die Winterreifenpflicht wird in Italien von Provinz zu Provinz unterschiedlich gehandhabt. Meist wird Winterbereifung bei winterlichen Bedingungen auf bestimmten Strecken im Zeitraum 15. November bis 31. März per Straßenschild angeordnet. In einigen Provinzen gilt auch eine generelle Pflicht zwischen dem 15. Oktober und dem 15. April, unabhängig von der Wetterlage.

Frankreich

Auch in Frankreich wird die Verwendung von Winterreifen streckenweise durch entsprechende Verkehrsschilder angeordnet. Dies kann auch kurzfristig geschehen, weswegen man als Urlauber mit Sommerreifen am Auto bei wechselnder Wetterlage unverhofft in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt sein kann.

Sicher Fahren auf Schnee und Eis

Wer sich die Winterreifen am Auto sparen möchte, dem droht bei plötzlichen Wintereinbrüchen ein schlimmes Erwachen. Die weitaus sinnvollere Herangehensweise ist, sich aus dem großen Vergölst-Sortiment sichere Winterreifen auszusuchen und diese direkt, bequem und schnell montieren zu lassen. Wer aber darauf besteht, sich die Montage-Kosten zu sparen, der findet mit einem Satz Ganzjahresreifen einen komfortablen Mittelweg.

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